Basiswissen

Geschichte

Zwar treten Hedge Fonds erst seit kurzer Zeit in Deutschland in Erscheinung, doch reicht die Geschichte der ersten Fonds bis ins Jahr 1949 zurück.

Alfred Winslow Jones, geboren 1901, fügte den traditionellen Portfolios seiner Anlagefirma zwei zusätzliche Elemente hinzu: Fremdkapital und Leerverkäufe. Jones wählte zusätzlich eine private Anlagegemeinschaft als Rechtsform, um sich einen größtmöglichen Handlungsspielraum zu sichern. Sein Grundgedanke war, dass durch die Kombination von Plus- und Minuspositionen (long/short) im Aktienportfolio die Rendite erhöht und gleichzeitig das Gesamtrisiko wegen des geringeren Netto-Marktrisikos reduziert werden kann. Der Leverage, das heißt die durch die Aufnahme von Fremdkapital erzielte Hebelwirkung, sollte diese positiven Effekte zusätzlich verstärken.

Jones′ Erfolg und die damit verbundene Werbewirkung bescherten den Hedge Fonds während der 60er-Jahre eine Periode großen Wachstums. Das in Hedge Fonds verwaltete Vermögen stieg auf 2 Mrd US-Dollar.
Seit Mitte der 90er-Jahre ist bei Hedge Fonds sogar ein explosionsartiges Wachstum verzeichnen. 



Was ist ein Hedge Fonds?

Als "Hedge" wird im Englischen die Absicherung einer Investition vor Risiken, wie gegenläufigen, negativen Entwicklungen verstanden. Eine solche Entwicklung kann ein Börseneinbruch, eine negative Wechselkursveränderung oder eine ungewollte Zinsänderung sein. Mit Hilfe von derivativen Instrumenten wie Optionen und Futures kann eine Finanztransaktion abgesichert werden. Hedge Fonds haben damit wenig zu tun. Sie stellen keine Absicherung dar, sondern zielen auf eine absolute Rendite ab. Sie streben eine jederzeitige positive Rendite unabhängig vom jeweiligen Marktumfeld an. Dieses Ziel verfolgen sie durch den Einsatz unterschiedlicher Anlagestrategien unter Verwendung verschiedenster Anlageinstrumente, die auch leerverkauft - Verkauf von geliehenen Anlageinstrumenten - werden können. Bei einigen Strategien kommt auch Fremdkapital zum Einsatz, was zu höheren Gewinn-, aber auch Verlustmöglichkeiten führen kann (Hebelwirkung, Leverage).

Hedge Fonds streben nach hohen absoluten Renditen, also nach Anlageergebnissen die sich in negativen Marktphasen weitgehend unabhängig von Aktien- oder Rentenindizes entwickeln.
Traditionelle Investmentfonds mit einem Index als Renditereferenz verfolgen einen relativen Renditeansatz.
Ihre Aufgabe gilt als erfüllt, wenn diese Benchmark (etwa der Dax) übertroffen wird. Solange die relevanten Indizes sich in positiven Territorien aufhielten, war selbst eine Unterperformance in der Regel noch kein Grund einem Manager das Mandat zu entziehen. Der traditionelle Manager hat aber de facto seine Aufgabe erfüllt, wenn er den Index übertrifft. Dies trifft zu, wenn der Indexverlust -20% beträgt, der aktive Portfoliomanager mit -18% ins Ziel kommt. Natürlich kann aber dieses Performanceergebnis einen Anleger nicht zufrieden stellen.
Der Fairness halber muss angemerkt werden, das der traditionelle Manager bestenfalls eine indexnahe Performance schaffen kann, angesichts der ihm zur Verfügung stehenden Anlagetechniken: Der Manager kauft Aktien und hofft, das diese steigen - oder zumindest weniger verlieren als der Vergleichsindex.
Außerdem hat der traditionelle Manager eines Publikumsfonds relativ hoch investiert zu sein. Die Entscheidung Kasse zu halten, sollte die taktische Entscheidung des Anlegers bleiben.

Eine neben der unbegrenzten Kassahaltung entscheidende Anlagetechnik, die dem traditionellen Anlagemanagement untersagt ist, ist die Durchführung von sogenannten Leerverkäufen. So verkaufen Hedge Fonds-Verwalter etwa vermeintlich überbewertete Aktien leer, sie gehen also "short". Mit anderen Worten sie verkaufen Aktien, die ihnen zunächst gar nicht gehören, indem sie sich diese am Markt "leihen" gegen die Zahlung eines Leihsatzes. Damit sich das Geschäft lohnt, muss der Kurs durch den eigenen Verkauf und Reaktionen der anderen Marktteilnehmer sinken. Später kauft der Hedge Fonds-Manager das Papier zum niedrigeren Kurs zurück und realisiert auf diese Weise einen Gewinn in einem fallenden Markt. 



Was ist dabei zu beachten?

Für die Anlage in Hedge Fonds gelten besondere Regeln. Zwar gibt es auf den ersten Blick keine wirklichen Zugangsbeschränkungen. Dafür bestehen signifikante Unterschiede gegenüber der traditionellen Anlage in Aktien und Anleihen.

Folgende Punkte sind in diesem Zusammenhang zu beachten:

- Liquidität
Die Anlage in Hedge Fonds kann in der Regel frühestens binnen Monatsfrist aufgelöst werden; bei vielen Hedge Fonds ist die Kündigung nur zum Quartals-, manchmal sogar nur zum Jahresende möglich.

- Performance
Der Renditeunterschied zwischen Fonds, die im unteren, und solchen, die im oberen Viertel rangieren, kann bis zu 20% pro Jahr betragen. Daher ist es von entscheidender Wichtigkeit, Fonds auszuwählen, die dauerhaft eine überdurchschnittliche Rendite bieten können.

- Gebühren
Da eine maximale Rendite oberstes Anlageziel ist, sind die Gebühren bei allen Hedge Fonds leistungsbezogen. Zu dem klassischen einmaligen Ausgabeaufschlag (Agio), der bis zu 7 % betragen kann, und einer jährlichen Verwaltungsgebühr (Management Fee), welche zum Teil bis zu 6 % beträgt, werden im Allgemeinen bis zu 20 % des Gewinns in Rechnung gestellt. Damit soll sichergestellt werden, dass Fondsgesellschaft und Anleger gleichermaßen an einer positiven Entwicklung der Anlagegelder interessiert sind.

- Domizil
Um bei der Wahl der Anlageinstrumente und Strategien möglichst großen Freiraum zu haben, sind Hedge Fonds meist in Off-Shore-Finanzzentren domiziliert. Die Anlagemanager selbst unterstehen allerdings teilweise der Aufsicht regulärer Behörden. Einige Fonds sind inzwischen auch in Dublin oder Luxemburg notiert und unterwerfen sich den an den dortigen Börsen geltenden Regeln.

- Reporting
Hedge Fonds veröffentlichen ihre Ergebnisse i.d.R. einmal monatlich. Je komplexer die Anlagestrategien sind, umso größer können die Abstände, in denen der Inventarwert bekannt gegeben wird, sein.